Femme

Cherchez la Femme

Diese Frau kennen wir nicht. Ein Personalvermittler sucht sie, um ein Porträt zu publizieren: Mutter, Wiedereinsteigerin, in Teilzeit hochgearbeitet, mit Budget- und Führungsverantwortung, Verwaltungsratsmandat, möglichst Präsidentin. Ohne Nanny-Hilfe und keine, der die Firma gehört. Als Erbin sei ja Vereinbarkeit ganz leicht. Die Frau soll sich im Unternehmen für Lohngleichheit und Vereinbarkeit einsetzen. Krippenplätze, Lohntransparenz, Chancengleichheit nach dem Wiedereinstieg, Teilzeitangebote.

Er wolle ein Rollenvorbild porträtieren, wie frau als Wiedereinsteigerin ganz nach oben kommt. Er kenne aber nur arrivierte Führungsfrauen, die mit den Kindern immer erwerbstätig waren, viele in Vollzeit, aber das könne es doch wohl nicht sein, oder? Er wolle seiner KMU-Zielgruppe zeigen, wie es auch mit Babypause und in Teilzeit geht. Aber keine Unternehmerehefrau. Und auch keine Unternehmerin – die stehen nicht «voll im Wind». Eine, die es als unabhängige, externe Verwaltungsrätin geschafft hat, ohne kostspielige Tagesstrukturen für die Kinder – das sei ja nur was für Reiche. Ein gewöhnlicher Normalfall, halt.

Wir kennen Tausende Geschichten, wie es funktioniert, aber genau diese ist uns noch nie begegnet.

Ob es auch eine andere Erfolgsgeschichte sein dürfe? Eine ohne Babypause zum Beispiel oder mit Nanny oder mit Vollzeit oder als Familiennachfolge? Nein. Er wolle den Entscheidungsträgern aufzeigen, dass man den Frauen nach der Babypause eine Chance geben soll, dass es sich lohnen kann, eine auch nur mit 60 Prozent aufzunehmen. Er wolle die Frauen fördern helfen. So weit, so löblich.

Die Realität funktioniert jedoch anders, aber davon wollte der gute Mann nichts wissen. Auch nicht davon, dass wir als Gesellschaft mit Fach- und Führungskräftemangel andere Rollenvorbilder brauchen als hochgebildete, qualifizierte Frauen mit jahrelanger Erwerbs- und Erfahrungslücke, Wiedereinstieg in Teilzeit und dem naiven Anspruch auf Chancen- und Lohngleichheit. Bewährtere Modelle interessierten ihn nicht. Er habe halt ein romantisches Familienverständnis. Verantwortung als Publizist? Fehlanzeige. So kommt es, dass man keine geeignete Frau findet, wenn man mit einer fixen Idee realitätsfremd sucht.

Kolumne von Esther-Mirjam de Boer, CEO von GetDiversity in der Handelszeitung vom 15. August 2019.

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