Es braucht Kollaboration im Büro

Ferienzeit ist Lesezeit. Ich habe mir das Buch «An Everyone Culture: Becoming a Deliberately Developmental Organisation» vorgenommen. Die Autoren Robert Kegan und Lisa Laskow Lahey regen darin an, «high potentials» abzuschaffen und an deren Stelle eine Kultur aufzubauen, in der sich alle entwickeln können und müssen.

Das ist keine Wohlfühloase, diese Entwicklungskultur, denn es gehe darum, mit allen und bei allen an persönlichen Herausforderungen zu feilen. Offen, direkt und ehrlich. Mit aller Pein und allem Schweiss, die damit verbunden sein können. Auch für Chefs. Und alles während der Arbeitszeit. Warum? Nun, die porträtierten Firmen sind seit Jahren besonders erfolgreich.

«Schattenboxen und Maskeraden sind nicht gefragt.»

Die Autoren legen überzeugend dar, dass in Zukunft nicht mehr nur die Innovationsfähigkeit der Schlüssel zum Erfolg ist, sondern die «Vuca-Kompatibilität» der Mitarbeitenden. Also Agilität und Adaptationsfähigkeit in einer komplexer und globaler werdenden Welt in beschleunigendem Wandel und mit zunehmender Widersprüchlichkeit. Das heisst, dass sich alle im Unternehmen über organisatorische Silos und Hierarchiestufen hinweg lösend und gestaltend einbringen und kollaborativ verhalten. Alle! Ohne Schattenboxen und Maskeraden – ohne karriereförderndes, tarnendes Schweigen – ohne Guerillakampf im Büro. Da nämlich, im täglichen Kleinkrieg um den eigenen Aufstieg oder zum Schutz des eigenen Gärtchens, orten die Autoren das grösste unausgeschöpfte Erfolgspotenzial.

Denn der Ist-Zustand einer Corporate Ellenbogen-Leistungs-Kultur sieht so aus: “Am Morgen räumt man an seinem Arbeitsplatz zwei Stunden lang Minen und leimt angesägte Stuhlbeine, dann kann man etwa vier Stunden wirklich arbeiten und danach muss man zwei Stunden lang bei den anderen Bomben legen und Fallen stellen, damit sie am Folgetag nicht die Oberhand gewinnen”.

Stellen Sie sich vor, in einer «deliberately developmental organisation» arbeiten alle die ganzen acht Stunden: an sich selbst, an der Team-Interaktion und fürs Unternehmen.

« Vuca -Kompatibilität»: Agilität und Adaptationsfähigkeit in einer komplexer und globaler werdenden Welt mit beschleunigendem Wandel und zunehmender Widersprüchlichkeit.

Viel Spass beim Lesen.

Dieser Artikel von Esther-Mirjam de Boer erschien am 16. August 2018 als Kolumne in der Handelszeitung.

Ehre, wem Ehre gebührt: Danke Caspar Fröhlich für die Initiative zur live Buchbesprechung, die mich auf diese spannende Fachliteratur aufmerksam gemacht hat.

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