Kindheit

gut gefördert – doppelt gewonnen

Aus aktuellem Anlass – meine Kolumne vom 1. Juni 2017 reloaded.

Im Mai 2017 war das erste Botschaftertreffen der Kampagne «Ready! Frühe Kindheit ist entscheidend.» – eine Initiative der Jacobs Foundation, getragen von Engagierten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Das Ziel: die Verbesserung der Rahmenbedingungen in der frühen Kindheit. Wenn Sie nun an Mozart oder Tiger-Mamas denken, empfehle ich Ihnen stattdessen ein paar volkswirtschaftliche Überlegungen.

Stellen Sie sich vor, wie es unseren Kindern geht, wenn alle beim Kindergarteneintritt die Umgangssprache und die Regeln des sozialen Zusammenseins beherrschen. Und was unsere Schulen leisten, wenn alle Kinder mit denselben Voraussetzungen starten. Noch ist das Sozialutopie – die Realität ist in Ballungsgebieten ernüchternd. Genau das will die Kampagne «Ready!» ändern.

Wer nun einwendet, man solle die Kindererziehung bitteschön den Eltern überlassen, verkennt, dass für manche Kinder die Eltern so exklusiv in der frühen Kindheit nicht der förderlichste Umgang sind. Eine gute Kinderkrippe kann mitunter Wunder wirken. Remo Largo lässt grüssen. Wenn wir es mit den Kleinsten im Lande besser machen – ja, von Staates wegen – dann geht es uns allen besser: mehr Stabilität, weniger Kriminalität, mehr soziale Sicherheit, weniger Problemkinder in den Schulen.

1 Milliarde mehr BIP

Ökonom Ernst Fehr hat den ROI vorgerechnet. Jeder geschickt und früh ins Kindswohl investierte Franken wird später doppelt bis achtfach zurückbezahlt. Sein Kalkül: bessere Chancen bedeuten bessere Bildung, qualifiziertere Jobs, höhere Löhne, mehr Steuersubstrat, weniger Transferzahlungen. In Zeiten von Fachkräftemangel, bedrohten Sozialwerken und Negativzinsen kein schlechtes Resultat. In Zahlen: 1 Milliarde Franken mehr BIP – ohne Zuwanderung. Das ist das Prinzip qualitatives Wachstum.

Und was tut der Nationalrat? Er lehnt ebendiesen Vorstoss von Barbara Schmid-Federer ab. Und dann spricht derselbe Nationalrat 100 Millionen Franken, um Krippenplätze zu vergünstigen. Billiger darfs werden – aber nicht besser.

Kolumne von Esther-Mirjam de Boer in der Handelszeitung vom 1. Juni 2017.

2019 schreibt die Republik: «Es ist höchst problematisch, wenn öffentliche Gelder an eine Firma wie Globegarden gehen, wo das Profit­denken dominiert und kaum erkennbar ist, wie das pädagogische Konzept aussieht», sagt Florian Thalmann, Fachmann für den Kinderbereich bei der Gewerkschaft VPOD. «Das starke Wachstum wäre ohne das Impuls­programm des Bundes wohl nicht möglich gewesen.»

Und auch folgendes in „die KITA-Heuchelei“: „Kinder anständig zu betreuen, ist unfassbar teure Arbeit.“ (…) „Zwischenmenschliche Arbeit – Pflege, Betreuung, Erziehung, Beratung – ist deshalb so teuer, weil sie auf Beziehung aufbaut.“

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