Hochleistung kommt Hand in Hand mit Menschlichkeit

Aus dem Diversity Report Schweiz 2022:

 

Hochleistung kommt Hand in Hand mit Menschlichkeit.

 
Um gut ausgebildete Menschen für die Zusammenarbeit gewinnen zu können, müssen sich Firmen an deren Bedürfnisse anpassen. Sonst kommen und bleiben sie nicht. “Menschen, die die Wahl haben, arbeiten da, wo es ihnen besser geht.”

 

Von Esther-Mirjam de Boer, CEO GetDiversity

Unternehmen, die es schneller und besser schaffen, für unterschiedlichste Talente und deren Bedürfnisse attraktive Arbeitsbedingungen zu schaffen, sind künftig klar im Vorteil. Um die Kraft der Vielfalt zu erschliessen, braucht es einerseits günstige Rahmenbedingungen und anderseits Menschenkompetenz in der Führung. Die Covid-19-Krise der vergangenen Jahre hat die Schwächen einiger Branchen akzentuiert: Im Gesundheitswesen führen die Arbeitsbedingungen dazu, dass die Hälfte der ausgebildeten Fachkräfte nach wenigen Jahren den Beruf wechseln. 

 

Der aufgestaute Pflegenotstand und der Mangel an Ärztinnen und Ärzten gefährdet langfristig die Qualität und Kapazität des Gesundheitssystems. Der verschärfte Lehrkräftemangel an Schulen zeigt ebenso strukturelle Schwächen auf, die mit raschen Umschulungen von anderen Berufsleuten kurzfristig überbrückt werden, aber für die Bildungsqualität nachfolgender Generationen ein ernstzunehmendes Risiko darstellen. Bei Airlines und in der Bodenabfertigung, in der Gastronomie und in der Hotellerie fehlt nun jenes Personal, das während der Pandemie abgebaut wurde und inzwischen anderweitig Erwerb und Erfüllung gefunden hat. Es kehrt oft nicht wieder an die alten Arbeitsplätze zurück. 

 

Diese durch die Krise stark exponierten Branchen zeigen eine Dynamik im Arbeitsmarkt auf, die früher oder später auch auf Unternehmen in anderen Sektoren zukommt: Menschen, die die Wahl haben, arbeiten da, wo es ihnen besser geht. Und das ist nicht hauptsächlich eine finanzielle Frage, sondern insbesondere eine der Qualität des Miteinanders (Firmenkultur) und der Gestaltungsmöglichkeiten in anderen Lebensbereichen (Vereinbarkeit).

 

In den vergangenen Jahren haben wir bei Unternehmen in den Bereichen IT, Ingenieurwesen, allgemeine Wirtschaftsberatung und Anwaltskanzleien ein Spannungsfeld aufgehen sehen: In der technischen Beratung und Planung ist es schon lange schwierig, genügend Fachkräfte zu finden. In der Wirtschaftsberatung und der Anwaltschaft fordern internationale Kunden eine angemessene Teamdurchmischung ein, die schwierig zu erzielen scheint. Dies, obwohl längst über 50 Prozent der Universitätsdiplome und 60 Prozent der Jura-Abschlüsse in der Schweiz von Frauen gemacht werden.

Es prallen zwei Welten aufeinander: die Selbstverständlichkeit der obersten Führung, wie die Arbeit in der Vergangenheit immer funktioniert hat und erfolgreich war – und die Unklarheit, wie es in Zukunft anders funktionieren soll, weil die Arbeitsmärkte dies erfordern.
Die Vielfalt der Bedürfnisse, Möglichkeiten und Herangehensweisen von gemischten Teams bringen zuerst mehr Konflikte mit sich. Inklusion ist oft mühsam und scheint hinderlich. Man muss sich konstruktiv darauf einlassen können. Es ist ein anstrengender Transformationsprozess, der Reibung, Verunsicherung und Erschütterungen auslöst. 

 

Gerade Dienstleistungsunternehmen mit anspruchsvollem Kundenkontakt tun sich da schwer. Der Kunde erwartet rund um die Uhr Verfügbarkeit und rasche Projektabwicklung. Die Mitarbeitenden und Führungskräfte möchten diese immer weniger oft und immer weniger lang in alleiniger Verantwortung leisten. Der Kunde bevorzugt einen «Single Point of Contact» für alle Anliegen – das Projektteam muss sich hingegen in einem Mehrschichtbetrieb organisieren. Es klingt wie die Quadratur des Kreises. Unter diesen auseinanderstrebenden Rahmenbedingungen ist ein Paradigmenwechsel angezeigt.

 

Wir nennen es DeepDiversity – denn es geht dabei um viel mehr als um Frauenförderung, Krippenplätze und Teilzeitstellen für Mütter. Diese Lösungsansätze, die den Frauen die alten Rollenmodelle erleichtern, lösen das Problem nicht. Die notwendige Veränderung geht erheblich weiter: DeepDiversity schafft in Unternehmen attraktive Entwicklungsmöglichkeiten für Menschen, die neben der Erwerbsarbeit ein solides Privatleben anstreben.

DeepDiversity verändert in Unternehmen Strukturen, Prozesse und Kulturen, um ein neues Gleichgewicht zu erzielen. Eines, welches das Potenzial jüngerer, älterer, weiblicherer und internationalerer Talente gleichermassen erschliesst.

 


Die Fachkräftestrategie des Bundes steht auf vier Säulen, die für Entlastung durch zusätzliches Fachkräftepotenzial sorgen: Frauen, Alte, Junge und Zuwanderung. Alle vier Säulen führen zu mehr Vielfalt in Unternehmen. Um das Potenzial dieser Menschen vollständig erschliessen zu können, braucht es deren Inklusion.


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