Künstliche Intelligenz ist wie Kindererziehung

Das Thema Künstliche Intelligenz ist allgegenwärtig und wir werden in unserer BoardNews gelegentlich Beiträge der etwas anderen Art publizieren. Was ist eigentlich Künstliche Intelligenz? Unser BoardClub Mitglied und AI-Expertin Prof. Dr. Sita Mazumder vermittelt in dieser Ausgabe ein Sinnbild.

Was ist eigentlich Künstliche Intelligenz? Unser BoardClub Mitglied und KI-Expertin Prof. Dr. Sita Mazumder sagt, das sei, wie wenn man fragt, was ist Betriebswirtschaft – das ist ein grosses Gebiet und deshalb schwierig in drei Sätzen zu beantworten. KI umfasst Algorithmen, Methoden und Technologien, die in irgendeiner Form selbständig lernen und sich weiterentwickeln können. Als Sinnbild fügt sie an: Der Umgang von uns Menschen mit der Künstlichen Intelligenz können wir verstehen, wie die Kindererziehung. Ein Kind ist eine in unterschiedlicher Art und Geschwindigkeit selbständig lernende Einheit. Eltern begleiten dieses Lernen aufmerksam und steuernd, indem sie Regeln und Werte vorleben oder vorgeben (Big Data) und Feedback auf das kindliche Verhalten geben. Je nach Erziehungsmethode lernt das Kind mit mehr oder weniger Vorgaben und Eingriffen. Das Baby ist durch die Gene vorprogrammiert. Es kann und weiss am Anfang noch wenig und mit zunehmendem Alter wächst das Repertoire und die Granularität aufgrund der gemachten Erfahrungen (gelernte Regeln). Eltern lassen sich mit der Familiengründung auf ein grosses Abenteuer ein – ein Experiment. Wir sehen in der Welt gelingende und weniger gelingende Erziehung. Das hat viel mit der Resonanz zwischen Eltern und Kind zu tun. Und mit Integrität der Daten, die das Kind erhält: Wenn das reden und das Vorleben oder Vorgeben der jeweiligen Person nicht übereinstimmen, entstehen Irritationen beim Kind, ebenso bei Vernachlässigung und Gewalt. Das Lernen ist gestört. Shit in – shit out. Das ist auch bei der Künstlichen Intelligenz so.

Künstliche Empathie

Kann ein Algorithmus empathisch sein? Diese Frage haben wir am Swiss Economic Forum diskutiert. Viele Menschen mögen das bezweifeln. Wir glauben, dass die künstliche Intelligenz bald mehr Empathie simulieren kann, als mancher Mensch ins Spiel bringt. Wie das? Die Gesichts-, Stimm- und Spracherkennung sind derart fortgeschritten, dass Algorithmen in der Lage sind, persönliche Veranlagungen, Stimmungen und Antreiber eines Menschen zu erkennen. Es gibt bereits eine App, die typengerechte Verhaltens- und Kommunikationstipps für Führungskräfte vorschlägt. Zusammengezählt entsteht eine Anwendung, die mit unterschiedlichsten Individuen einfühlsam interagiert.

Noch versuchen Forscher den Menschen dafür physisch nachzubauen. Der Roboter «Pepper» sieht aus wie ein Kind mit Gliedmassen, Kopf und Gesicht. Der jüngere «Cimon» ist lediglich eine überdimensionale Kugel mit einem Bildschirm, der Augen und Mund anzeigt. Zu Hause kommunizieren wir längst mit gesichtslosen Objekten namens «Alexa», «Siri», «Cortana» & Co. Es ist die Qualität der Resonanz, nicht die Form, die schliesslich die Wirkung ausmacht.

#inclusiveculture und KI

Je vielfältiger die Forschungsteams zusammengesetzt werden, desto reichhaltiger wird das Repertoire der digitalen Assistenten. Diversität und insbesondere eine Kultur der Inklusion und Kooperation gelten in führenden Tech-Betrieben als Fundament zum Erfolg. (Fast) Vorbei sind die Zeiten, in denen Spracherkennung ausschliesslich mit männlichen Stimmen und Gesichtserkennung nur mit Weissen funktionierte. Gelebte Inklusion erschliesst neue Geschäftsfelder.

Zum Beispiel

Die Gesellschaft altert und bald gibt es zu wenig Erwerbstätige und Freiwillige, um Hochbetagte gut zu betreuen. Digitale Assistenten können dann ausführliche Gespräche führen, die die Einsamkeit lindern sowie Zwischenfälle erkennen und melden – das wird erheblich Gesundheitskosten senken. Menschen mit Demenz können dank den Stimmen ihrer Liebsten, Bilder ihres Lebens und den Liedern ihrer Jugend ergänzend maschinell betreut werden und dabei bessere Lebensqualität erfahren, als wenn sich ausschliesslich Menschen um sie kümmern würden. Noch ist das ein befremdlicher Gedanke, an den wir uns bald gewöhnen werden.

Fortsetzung folgt.

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