Loslassen!

73’786 Unternehmen müssen ihre Nachfolge regeln, sagt die aktuelle Studie von Bisnode. In den nächsten fünf Jahren sind 500’000 Arbeitsplätze vom Generationenwechsel in der Privatwirtschaft betroffen. Der Löwenanteil der Schweizer KMU-Landschaft bilden die kleinen Unternehmen. Sie sind auch jene, die es am schwierigsten haben, neue Eigentümer und Führungskräfte zu finden.

Während grössere Unternehmen auf dem Radar von einschlägigen Beratern und Banken auftauchen, sind Kleine kommerziell uninteressant. Sagt man. Zu viel Aufwand, zu wenig Ertrag. Sagt man. Volkswirtschaftlich betrachtet ist das fatal: Über 90 Prozent der betroffenen Arbeitsplätze sind in kleinen Unternehmen und die Marktwirtschaft sieht über sie hinweg. Sollen sie selber schauen. Das ist halt der ökonomische Darwinismus. 30 Prozent scheitern und werden liquidiert.

Wie in der Natur gibt es zum Glück auch in der Wirtschaft Pionierpflanzen, die auf unwirtlichem Boden wachsen können. Kleine Beraterboutiquen, neue Finanzierungsmethoden, digitalisierte Lösungen und kreative unternehmerische Modelle, die mit ihren Ideen Kleinunternehmer Zugang zum unübersichtlichen Nachfolgemarkt schaffen. Und irgendwie passt es auch besser, wenn kleine agile Nachfolgeberatungen sich um diese Unternehmen kümmern.

Jüngstes und kreativstes Beispiel ist der «Nachfolgebus.ch», der freischaffenden Expertinnen und Experten mit ihren Lösungen für clevere Nachfolgelösungen 2018 in die verschiedenen Schweizer Städte fuhr und erste persönliche Kontakte für Unternehmer ermöglichte.

Loslassen hat viel mit Vertrauen zu tun. Diese wächst mit der Beziehung zu einem Nachfolger oder Nachfolgerin, wenn man gute Lösungen gemeinsam findet. Eine Firma zu besitzen, zu führen, existenzielle Verantwortung für die Lohnzahlungen an die Mitarbeitenden zu haben, einen gesellschaftlichen Beitrag in Form von Mehrwert und Arbeitsplätzen zu leisten, kann einen wesentlichen Teil der Identität eines Unternehmers bilden. Die Lebensgestaltung und die Firma sind enger miteinander verbunden. Um Mitte/Ende 50 herum rückt die Aufgabe näher, diese engen Verbindungen zu lösen und Raum zu schaffen zwischen dem Selbst und der Firma – Platz für Neues und Platz für andere Menschen, die teilhaben werden an der Verantwortung und am Besitz, denen man vertraut, dass sie das auch gut machen. Platz für Nachfolger – auch für die Kleinen.

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