Medienvielfalt, oder stinkts?

Wissen Sie noch, wie ein Plumpsklo riecht? Kürzlich in der Zürcher S-Bahn wurde ich dran erinnert: Das Klo mitten im Abteil hatte ein Problem. Nicht genug – beim nächsten Halt setzte sich mir jemand gegenüber, der seinen Schabzigerkäse auspackte und ihn mit etwas Brot verspeiste. Der Geruch ist eine Zumutung – jedenfalls für meine Nase. Ich verfluchte meinen Entschluss, den ÖV genutzt zu haben, und sehnte mein Auto herbei. Travel in my own bubble.

Ich könnte nach diesen Erfahrungen die Abschaffung des öffentlichen Nahverkehrs fordern und eine Volksinitiative zur Streichung der SBB-Subventionen lancieren. Das fänden Sie blöd? Das Kind mit dem Bade ausgeschüttet? Ja, ich auch.

Doch mit genau dieser Art von Logik wird die Abschaffung der Billag-Gebühr verhandelt. «Glanz&Gloria» mag für viele eine überflüssige Sendung sein, doch deswegen gleich das ganze öffentlich-rechtliche Fernsehen und Radio in Frage zu stellen, scheint doch etwas überzogen. Denn genau darum geht es, wenn die Billag-Gebühren gestrichen werden: No Billag = No Tagesschau = No 10 vor 10 = No Sportpanorama= No SRF3 = No SRF+ = No Happy Day (Ja, das ist der Publikumsliebling) und No Lokalradio-Vielfalt. Alles weg. Wollen wir das? Ich nicht.

Die Alternativen überzeugen nicht: Ein Teleclub-Basis-Abo kostet über 450 Franken pro Jahr und dann sind da keine unabhängigen Journalisten am Werk. Ein Tagesanzeiger Online-Abo kostet über 300 Franken pro Jahr. Mit unter 100 Franken ist Zattoo wirklich günstig – aber sollen wir uns das Weltgeschehen von Deutschen und Österreichern erklären zu lassen, wenn es auf Zattoo kein Schweizer Fernsehen mehr gibt? Ich mag die eigene Perspektive der Schweiz und will diese im Schweizer Radio und Fernsehen sehen.

Nun gäbs noch die Möglichkeit, SRF und andere Medien zu subventionieren. Sollte No Billag angenommen werden, wäre dies eine Alternativstrategie. Linke Tasche – rechte Tasche. Doch dann haben wir genau das Staatsfernsehen, das man mittels No Billag abschaffen wollte. No Billag = mir stinkts einfach. Das ist nicht durchdacht. Ich stimme Nein.

Dieser Text erschien am 27.11.2017 als Kolumne in der Handelszeitung.

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