Ueli mauert

Sehr geehrter Herr Bundesrat Ueli Maurer,

Sie fällen Entscheide von grösster Tragweite in dieser Krisenzeit. Sie wollen – das dürfen wir annehmen – dass die Schweizer Bevölkerung und Wirtschaft unter der weltweiten Pandemie möglichst wenig leidet. Als oberstes Führungsorgan unseres Landes ist das Verhalten von Ihnen und Ihren Kolleginnen und Kollegen im Bundesrat richtungweisend. Dessen sind Sie sich sicher bewusst. Sie waren bisher jener Bundesrat, der am zurückhaltendsten gegenüber rigorosen Massnahmen gegen COVID war. Dafür sind Ihnen die Menschen und die Wirtschaft dankbar, so sind wir bisher mit einem blauen Auge davongekommen. Doch COVID bleibt bedrohlich. Jetzt geht es längerfristig um die Prävention und Eindämmung weiterer Ansteckungen bei grösstmöglicher Freiheit. Dafür sind möglichst sanfte und dennoch wirksame Massnahmen gefragt.

Die Swiss Covid App ist wohl die präziseste und am wenigsten belastende Massnahme. Ich wage gar zu behaupten, dass es die einfachste und preiswerteste aller wirksamen Massnahmen ist, da sie der Bevölkerung weder Kosten verursacht, noch Verhaltensänderungen abverlangt. Einmal installiert – fertig. Ich bin sehr besorgt, dass Ihnen das zu kompliziert ist. Niemand erwartet von Ihnen, dass Sie die App programmieren können. Aber wir dürfen von Ihnen erwarten, dass auch Sie sie installieren, um zu signalisieren, dass sie ein wichtiger und zumutbarer Beitrag zur Krisenbewältigung ist.

“ich bin sehr besorgt, dass Ihnen das zu kompliziert ist”

Haben Sie gehört, dass das analoge Contact Tracing letzte Woche bei 700 Neuinfektionen in der Schweiz in einzelnen Regionen bereits an seine Kapazitätsgrenzen stiess? Und ist Ihnen bewusst, dass ein digitales Contact Tracing innert Sekunden bei Bedarf auch Hunderttausende erreichen könnte? Niemand hofft, dass es je soweit kommt! Trotzdem: die App ist ein Sicherheitsnetz für die Schweiz, für den Fall, dass die Neuninfektionen aus dem Ruder laufen. Sie ist eine Versicherung gegen einen zweiten flächendeckenden Lockdown. Falls die Bevölkerung sie installiert hat.

“Ihr Departement ist für Digitalisierung verantwortlich beim Bund”

Bitte zeigen Sie jetzt Leadership und Verantwortung, so wie es über eine Million Menschen in der Schweiz bereits vor Ihnen getan haben. Immerhin ist Ihr Department verantwortlich für Digitalisierung beim Bund. Seien Sie jetzt bitte ein würdiger, zeitgenössischer Bundesrat.

Kolumne von Esther-Mirjam de Boer in der Handelszeitung vom 9. Juli 2020

Disclaimer: ich bin klar für eine kluge Kombination aller Massnahmen, die der Prävention UND der Eindämmung der Pandemie dienen. Konsequent umgesetzt verhindern sie weitere LockDowns und folglich wirtschaftliche Schäden. Für die Prävention sind im Alltag insbesondere Handhygiene, im öffentlichen Raum Mund/Nasen-Schutz tragen, Abstand halten und geschlossene Räume mit vielen Menschen vermeiden nützlich – zur Eindämmung der Übertragungen ist TTIQ der weltweit bewährte Standard. Das bedeutet: grosszügig Testen (auch ohne Symptome) – Kontakte von Infizierten Tracen (analog UND digital) – Infizierte Isolieren – und Verdachtsfälle, die konkreten Risiken ausgesetzt waren, gehen vorsorglich in Quarantäne.

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